"Nach dem Weg fragen" mit Monika Hau

Bei der Entstehung der Stadtteildokumentation des Saarbrücker Stadtteils Burbach viel auf, dass die Einwanderungsgeschichte des Stadtteils wenig bis kaum dokumentiert ist.

Burbach ist, wie andere Standorte der Industrie im Saarland auch, stark durch Migration geprägt – von der Nahmigration aus den umliegenden Regionen in den Anfängen der Industrialisierung und des Bergbaus, über die Anwerbung von „Gastarbeitern“ ab den späten 1950er Jahren bis zum Zuzug von Flüchtlingen und anderen Migrantengruppen in den letzten Jahrzehnten.

Die geschichtliche Auseinandersetzung mit der Industriegeschichte Burbachs ist somit zugleich eine Auseinandersetzung mit der Einwanderungsgeschichte des Stadtteils. Eine gemeinsame Betrachtung beider Themen birgt die Chance, die heutige in Burbach lebenden Menschen um die miteinander geteilte Geschichte des Stadtteils herum zusammen zu bringen und Erinnerungsarbeit im Stadtteil zu leisten, die das Bewusstsein seiner Bewohner/innen stärkt, dass sie Teil einer gemeinsamen Geschichte und Gesellschaft sind.

Der Kulturverein möchte im Rahmen seiner Zielsetzung  dieses Themenfeld erschließen und in Zusammenarbeit mit Frau Hau ein Projekt zur Erkundung der Einwanderungsgeschichte des Stadtteils Burbach entwickeln und umsetzen. Konzeptionell lehnt sich das Projekt an die Idee an Wege und Geschichten verschiedener Migrantengruppen sichtbar/hörbar zu machen.

Monika Hau, eine renommierte, saarländische Künstlerin, möchte diese Aufgabe mit dem Kulturverein übernehmen.  Seit einigen Jahren beschäftigt sie sich in Ihrer Arbeit mit der Verarbeitung, dem erfahrbar machen von Verknüpfungen, Wegen und Netzen. Unterschiedlichen Wegen, verschiedener Gruppen die hier Vorort zusammentreffen.

Monika Hau hierzu:

Ich beschäftige mich seit einiger Zeit mit der Linie, der Linie im Raum und mit Netzstrukturen. Eine Linie entsteht, indem man zwei Punkte verbindet. Wir erzeugen jeden Tag Linien, indem wir uns von A nach B nach C bewegen.

Wie sieht diese Linie aus und wie das Liniengeflecht einer Gruppe?

Als ich Ende 2014 angesprochen wurde, ob ich in einem Stadtteil ein künstlerisches Projekt durchführen wollte, war die Gelegenheit gekommen, diese Idee umzusetzen.

 Die Planung des Kunstprojekts „ Nach dem Weg fragen“ begann im Frühjahr 2015.

 Ursprünglich sollte in einem Saarbrücker Stadtteil Burbach, geprägt von ehemaliger Hüttenindustrie und Migration, den alten Strukturen die neuansässige Arbeitswelt der IT Firmen gegenübergestellt werden.

Durch die politischen und sozialen Entwicklungen hat sich die Zielsetzung verdichtet und verändert.

Arbeitsmigration ist heute gesellschaftlich anerkannt, denn sie bedeutet gesellschaftliche Integration durch Arbeit. Migration wegen politischer, religiöser Verfolgung oder Flucht vor Gewalt und Krieg wird häufig als Bedrohung des eigenen Lebensraumes empfunden. 

Das Projekt wurde auf Burbach, St. Johann und Riegelsberg ausgeweitet. 

In Zusammenarbeit mit Vereinen in den jeweiligen Stadtteilen wurden die weiteren Schritte koordiniert. Durchgeführt wurde das Projekt mit Einzelpersonen und Gruppen, wobei Institutionen, wie Fortbildungswerke, Berufsschulen, Betriebe und Verbände, gewonnen werden konnten.

Bei allen Teilnehmern wurden die gleichen Materialien und Informationen gesammelt, um ein Kunstwerk zu erstellen.

Jeder Teilnehmer notierte die tatsächlichen Stationen seines Weges. Ein Papier wurde eingefärbt.

Auf der Rückseite dieses Papiers zeichnete jeder gestisch, mit beiden Händen, den gefühlten Weg und schrieb dazu einen Kommentar.

Die gezeichneten Wege wurden von mir aus dem Papier geschnitten. Ein Vorgang der Annäherung an den jeweiligen Teilnehmer. Ich erinnerte ihren tatsächlichen Weg, sowie ihre Geschichte und ihre Person.

Für mich sind es sehr persönliche Porträts geworden, viele erkenne ich sofort – der Mensch  erscheint.

Jedes Gruppennetz der realen Wege hat einen besonderen Charakter.

Die Kommentare füllen die Linie mit persönlicher Bedeutung. 

Entstanden ist eine künstlerische Darstellung individueller, tatsächlicher und gefühlter Wege von Migranten und hier lebenden und arbeitenden Menschen.

Presse:

http://www.sr.de/sr/fernsehen/sendungen_a_-_z/uebersicht/wir_im_saarland/kultur/2017_01_11_wirimsaarlandkultur100.html

www.saarbruecker-zeitung.de/saarland/saarbruecken/saarbruecken/burbach/Burbach-Ausstellungen-und-Publikumsschauen-Kunst-Kulturvereine-und-Kunst-Kulturverbaende-Migranten;art446491,6419564

Mein Dank an alle Teilnehmer und Unterstützer dieses Projekts!

Foto © Sven Eric Klein